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Vereinsfusionen sind kein Tabu

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Landessportbund-Präsident Rolf Müller zu Gast beim Sportkreis Waldeck-Frankenberg

Wenn man schon mal den Präsidenten des Landessportbunds Hessen (LSB) zu Gast hat, dann will man wissen, wie der tickt. Uwe Steuber wollte vor allem Antworten auf drängende Fragen.

Der Vorsitzende des Sportkreises Waldeck-Frankenberg brachte zum Gastspiel von Rolf Müller bei der erweiterten Vorstandssitzung in Korbach ein halbes Dutzend Anliegen auf den Tisch, von denen jedes abendfüllend hätte diskutiert werden können. In den Fokus rückte er das Überleben der Vereine in Zeiten sinkender Mitgliedszahlen und Schuldenbremse der öffentlichen Hand. Werden Vereinsfusionen und teilweise Hauptamtlichkeit nicht bald notwendig? Müssen nicht große Vereine als Anbieter mit eigenem Fitnessstudio auftreten? Welchen Sinn hat noch eine Vereinsförderung mit der Gießkanne wie beim Landesprogramm „Sportland Hessen“?

Nun, Müller hatte auch schon seine eigene Agenda für den Abend, aber die Runde, die in der Servicestelle des Sportkreises zusammensaß, lernte ihn als Praktiker kennen. Der 67 Jahre alte Gelnhäuser, der den LSB seit 1997 führt, ist Vorsitzender des Schwimmvereins seiner Heimatstadt, für den er bald 50 Jahre Vorstandsarbeit macht.

Bruch mit Traditionen
Unter Müller hat der SV Gelnhausen mit Traditionen gebrochen. Der Club erhebt neuerdings differenzierte Beiträge von seinen Mitgliedern – er habe ein „ehernes Prinzip“ aufgegeben, so Müller. Vor allem aber hat der SV bisher ehrenamtlich geleistete Arbeit „outgesourct“: Dinge wie die Mitgliederverwaltung erledigt eine 400-Euro-Kraft. Steuber sieht in teilweiser Hauptamtlichkeit ebenfalls einen Weg. Er favorisiert Modelle, bei denen sich entweder mehrere Vereine zusammentun, um gemeinsam eine Teilzeitstelle zu finanzieren, oder ein größerer Club kleineren Nachbarn komplexe Verwaltungsaufgaben wie das Finanzwesen gegen Bezahlung abnimmt – Vorbild interkommunale Zusammenarbeit. Auch Vereinsfusionen sind für Steuber kein Tabu. „Man wird auf Dauer darum nicht herumkommen“, pflichtete ihm Rolf Müller bei. Ideal seien für ihn aber die gemeinsame Beschäftigung teilhauptamtlicher Kräfte, wo solche Schritte notwendig seien. Die Bereitschaft zu dieser und anderen Formen der Zusammenarbeit über Vereinsgrenzen hinweg ist freilich nicht ausgeprägt. Der LSB-Chef empfahl Steuber deshalb Geduld: „Wenn der Leidensdruck nicht groß genug ist, bekommen Sie es nicht in die Köpfe.“ Zumindest graduelle Unterschiede offenbarte die Debatte über den Sinn des Gießkannenprinzips bei der Förderung von Investitionen der Vereine in Sportanlagen oder Zweckgebäude. Uwe Steuber hatte das (Negativ-)Beispiel eines Vereinsheims parat. Gefördert durch „Sportland Hessen“, mache es vor allem der örtlichen Dorfkneipe Konkurrenz, für den geringen Spielbetrieb sei es eigentlich überflüssig. Sei das Programm also „Fluch oder Segen“, fragte Steuber provokant. Der Sportkreischef, bei dem natürlich schon mal der Lichtenfelser Bürgermeister durchkommt, will eine vorausschauendere Politik und gezieltere Investitionen, die lokale Notwendigkeiten und auch die Folgen einer älter werdenden Gesellschaft berücksichtigen. „Wir müssen gerade bei Neubauten genauer hingucken“, sagte er.

Sinn und Unsinn bereden

Ins selbe Horn stößt der Leiter des Landkreis-Fachdiensts Sport, Matthias Schäfer. Er regte „das Steuerungsinstrument einer Prioritätenliste“ an – die aber eher vom Land mit Einfluss des Landessportbunds aufgestellt werden sollte. „Man muss diskutieren, welche Maßnahmen sinnvoll sind“, sagte Schäfer, der als Bildungsbeauftragter im Sportkreis-Vorstand sitzt. Er und Steuber können sich auf den Sportentwicklungsplan des Landkreises berufen, der Defizite, aber auch Überversorgung benennt. „Dass es Fehlentwicklungen gibt, will ich nicht bestreiten“, sagte Rolf Müller. Die Entscheidung über die Sinnhaftigkeit von Projekten sieht er trotzdem besser auf der unteren Ebene angesiedelt. Und zum Sportland-Programm („ein Segen“) bekannte er sich uneingeschränkt: Es sei ein „Riesenfortschritt“ gegenüber früheren Investitionsprogrammen mit ihrem doch „sehr engen Korsett“. Bernhard Seitz, Steubers Stellvertreter, wandte sich ebenfalls dagegen. Investitionen in eine Vereinsgastronomie zu fördern, sagte aber: „Man muss alles tun, dass die Vereine in der Lage sind, den Jugendlichen und den Mitgliedern Möglichkeiten zum Sporttreiben zu bieten.“

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Gerhard Menkel

Unser Menki arbeitet hauptberuflich seit 1987 als Sportredakteur bei der WLZ, ist einer unserer Dienstältesten Vorstandsmitglieder (schon seit "Mao") und unterstützt den Sportkreis als Pressewart.

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