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Laufen lassen ist die schlechteste Option

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Nein, einer Fusionitis im Vereinssport hat Ronald Wadsack am Freitag in Fürstenberg nicht das Wort geredet. Der Hochschul-Professor setzte beim „etwas anderen Sportkreistag“ (Uwe Steuber) den Schwerpunkt neu. Er stellte das ursprünglich angekündigte Thema „Zusammenarbeit und Fusion von Sportvereinen“ in den größeren Zusammenhang. „Zukunftsfähige Vereinsentwicklung = Verantwortung des Vorstands“ überschrieb der Lehrstuhl- Inhaber an der Ostfalia-Hochschule in Salzgitter seinen mit vielen Beispielen aus der niedersächsischen Heimat gespickten Vortrag.

Wadsack hat Erfahrung. Seit 1977 beschäftigt er sich forschend und lehrend mit Vereinsmanagement. Er bekannte sich zum Sportverein. Doch es verändert sich gerade Tiefgreifendes – „Sportvereine haben keine Bestandsgarantie mehr“, lautete ein Fazit Wadsacks.

Bedrohtes Monopol
Der Wandel trägt vor allem neue Anforderungen an die Vorstände. Weniger gefragt sei das Laufenhalten des Betriebs, stattdessen gebe es eine „Verschiebung hin zu einer wirklichen Gestaltungsaufgabe“. Dem Führungspersonal stellen sich viele Fragen. Zentral: Was macht Ihren Verein überhaupt aus? Die Finanzen, natürlich, das Thema sei eine „Scheiternsklippe“ in Deutschland, sagte Wadsack; seine Sportstätten, das Sportheim; die Mitglieder – die Sichtweise, wie mit ihnen umzugehen sei, ändere sich gerade.

Aber auch: Welche Bedeutung hat der Verein in der Kommune? Wadsack sprach vom „Legitimationskapital“. Wie ist die Stellung des Vereins auf dem Sportmarkt? Auch auf dem Land ist das Monopol bedroht, die Konkurrenz reicht von Fitnessstudios bis zum „E-Sport“, Spielen am Computer, für Wadsack ein „schlafender Riese“. Wichtige Größe bleibt die Bevölkerungsentwicklung. Wadsack zitierte die Projektion der Bertelsmann-Stiftung, die für Waldeck-Frankenberg einen Rückgang der aktuell knapp 165 000 Einwohner um weitere 19 000 bis zum Jahr 2130 voraussagt. Eine Folge: Der Mitgliederbestand überaltert, die einzige Gruppe, die noch wächst, sind die „Ü 61″. „Überlegen Sie sich, was das mit Ihren Mannschaftssportarten macht“, sagte Wadsack. Und: Was bedeutete es für die Sportstätten, was für das Angebot. Es sei nach wie vor zu sehr auf Wettkampf ausgelegt.

Länger in die Zukunft planen
Der Professor riet den Vorständen, über den eigenen Kirchturm hinaus zu schauen. Der Verein sei Bestandteil einer regionalen Gemeinschaft. „Man muss sich das Wort Gemeinnützigkeit da mal auf der Zunge zergehen lassen“, sagte er. Er empfahl einem erweiterten Planungshorizont. „Wie sollte der Verein 2025 oder 2030 aufgestellt sein, unter den projizierten Bedingungen im Umfeld.“ Besagte Bedingungen werden von Kommunen mit gewachsenem Kostenbewusstsein mitbestimmt. Wichtig seien Phasen, „in denen man sich Gedanken über den Verein macht“, sagte Wadsack. Er rate zu Klausurtagungen: Die eigenen Möglichkeiten ausloten und den Verein entsprechend ausrichten. Unerlässlich sei die Förderung freiwilliger Mitarbeit, eine „permanente Aufgabe“. Das alles „ist richtig Arbeit“, sagte Wadsack, aber sie „macht Spaß“. Die Handlungsoptionen für Vorstände unterteilte er in vier Möglichkeiten: Laufen lassen; Verein erneuern; Kooperieren; Fusionieren. Dabei sollten Zusammenarbeit oder Zusammenschlüsse „mit einer strategischen Idee verbunden sein“. Doch nicht jeder Vereinstyp verspricht erfolgreiche Kooperationen. Auslaufmodelle sind laut Wadsacks – auch mit Heiterkeit quittierter – Vereinstypologie der: – Subventionsverein: „Es muss einen geben, der uns finanziert.“ – Siechtumsverein: „Schrumpf vor sich hin.“ – Leidensverein: „Siecht mit lautem Lamento dahin.“ Als perspektivisch erfolgreiche Varianten setzte Wadsack den modernisierten Traditionsverein und den Unternehmerverein dagegen. Sie seien für Kooperation und Fusion geeignet, welche er wiederum als Stufen einer Entwicklung darstellte.

Gemeinsam einkaufen
Vieles davon ist längst Praxis bei den heimischen Vereinen – „Fall-zu-Fall-Kooperationen“ wie die Ausrichtung gemeinsamer Veranstaltungen etwa oder „Langfrist-Kooperationen“ wie Spielgemeinschaften. Auch von den mitunter irrationalen Widerständen, auf die Wadsack hinwies, hätte mancher Delegierter ein Lied singen können. Dagegen sind gemeinsame Verwaltung oder Einkaufsgemeinschaften selten oder überhaupt nicht erprobt. Eine längere Diskussion folgte dem Vortrag Wadsacks nicht. Die Fragen drehten sich um Honorare für Übungsleiter in Konkurrenz zu privaten Anbietern, Möglichkeiten von mehr Hauptamtlichkeit in den Vereinen und wie fortschrittlich eigentlich die Denke auf Ebene etwa der oberen Sportverwaltung sei. Zumindest für die ersten zwei Themen gilt, was Wadsack in seinem Vortrag so formuliert hatte: „Geld ist der zentrale Anker.“

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Gerhard Menkel

Unser Menki arbeitet hauptberuflich seit 1987 als Sportredakteur bei der WLZ, ist einer unserer Dienstältesten Vorstandsmitglieder (schon seit "Mao") und unterstützt den Sportkreis als Pressewart.

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