Unsere Sportportal Neuigkeiten:

Finde jetzt dein Vereinsangebot:

Inklusion beim Sportabzeichen

Startschuss für das Projekt inklusives Sportabzeichen: Matthias Schäfer, Kerstin Mühlhausen. Jürgen Damm, Knut Holzapfel. Foto: Menkel

 

Von Gerhard Menkel

Korbach. Ein neues Projekt in Waldeck-Frankenberg will die Idee der Inklusion mit Leben füllen – auf dem Feld einer altehrwürdigen Institution: dem deutschen Sportabzeichen. Die Idee: Behinderte und Nichtbehinderte trainieren gemeinsam und legen gemeinsam die Prüfungen ab.

Erstes Ziel ist ein Sportabzeichentag am 9. September in Korbach. Der offizielle Startschuss für das Projekt fiel vergangene Woche. Der Mann, der es ins Rollen gebracht hat, ist Jürgen Damm, Oberst a. D. und Vorsitzender der Aktion für behinderte Menschen im Landkreis sowie Präsident des gleichnamigen Vereins in Hessen.

Damm hat als leidenschaftlicher Verfechter und unermüdlicher Antreiber zahlreiche Akteure an einen Tisch gebracht. Die Partner sitzen im Hessischen Innen- wie dem Sozialministerium und beim Landessportbund (LSBH); der Landkreis ist mit im Boot, der Sportkreis, außerdem Träger von Behindertenarbeit wie das Lebenshilfewerk, Schulen, Vereine und, natürlich, die Sportabzeichenprüfer. Die Auftaktrunde am Sitz des Landkreis-Fachdiensts Sport zählte 18 Frauen und Männer.

„Ich hoffe, dass wir das Projekt zum Erfolg führen und dann im September so ein Bild machen können“, sagte Damm und warf ein Foto von zwei jungen Leuten an die Wand, der eine behindert, der andere nicht, das sie nebeneinander vor Publikum beim Ballwurf zeigt.

Barrieren in den Herzen

Dass am Ende möglichst viele Ehrenzeichen ausgegeben werden sollen, versteht sich. Damm und seine Mitstreiter möchten aber auch Vorbehalte zerstreuen und Empathie wecken. „Für mich als Vorsitzenden der Aktion für Menschen mit Behinderung ist es wichtig, Barrieren nicht nur in den Köpfen, sondern auch in den Herzen abzubauen“, sagte Damm. Bei Gelingen hofft er auf viele Nachahmer: „Ich will, dass wir das Projekt auch in andere Sportkreise Hessens exportieren.“

Darauf setzt auch Brigitte Ebers, Sportabzeichen-Referentin beim LSBH. „Die Einbeziehung von Menschen mit Behinderung in das Sportabzeichen wurde lange vernachlässigt“, sagte sie. Nur rund 150 Behinderten-Sportabzeichen würden in Hessen pro Jahr erworben. Ebers: „Das kann so nicht sein, wir müssen uns viel mehr öffnen.“

Neben einer Breiten- möchten die Beteiligten außerdem eine Langzeitwirkung erzielen. Darin liegt für Sportkreischef Uwe Steuber der besondere Charme. Er findet: „Wenn wir es schaffen, nachhaltig das Sportabzeichen für Menschen mit Behinderung anzubieten, wird es zu vielen spannenden Begegnungen kommen und es werden sich Chancen für Menschen mit Behinderungen, aber auch für unsere Vereine ergeben, an die vielleicht noch keiner denkt.“

So viele wie möglich gewinnen

Der Erfolg des Projekts inklusives Sportabzeichen im Sportkreis Waldeck-Frankenberg steht und fällt mit der Zahl der Mitmacher. „Jetzt müssen alle arbeiten, dass wir genügend Menschen kriegen, die gemeinsam Sport treiben“, fasste Initiator Jürgen Damm die wichtigste Anforderung zusammen. Vorher hatten die Beteiligten die ganz praktischen Fragen zu klären.

Zuallererst: Nur Sportabzeichenprüfer mit Zusatzqualifikation dürfen die Prüfungen für behinderte Sportler abnehmen. Vier der etwa einhundert Prüfer im Sportkreis besitzen sie. Allerdings werden deutlich mehr gebraucht. Deshalb steigt am Samstag, 29. April, eine Zusatzausbildung. Sie ist eingebettet in einen Basislehrgang für Prüfer, den der TSV Frankenberg am letzten Aprilwochenende unter Federführung von Peter Moryson ohnehin im Programm hat. Die Referentin Maria Elfe (Fulda) stellt der Hessische Behinderten- und Rehabilitations-Sportverband.

Wie sollen nun Aktive für das inklusive Sportabzeichen geworben werden? Eine Kernfrage für Jürgen Damm. Für die Werbung soll ein Flyer erstellt werden, mehr Gewicht bekommt aber wohl die direkte Ansprache. Auf Vorschlag von Michael Hölscher, Rektor der Förderschule am Enser Tor in Korbach, greift das Inklusionsprojekt einmal auf bereits vorhandene Strukturen zurück: Etliche Regelschulen unterhalten Partnerschaften mit Schulen für geistig, körperlich oder Lernbehinderte – die Enser-Tor-Schule etwa kooperiert mit der Westwallschule. Innerhalb dieser Partnerschaften können leicht inklusive Trainingsgruppen von Schülern gebildet werden. Zum anderen sollen solche Gruppen unter Federführung von Vereinen gebildet werden – behinderte Menschen könnten in den Werkstätten des Lebenshilfewerks, in Wohngruppen oder auch in den Treffpunkten im Landkreis zum Mitmachen animiert werden.

The following two tabs change content below.

Gerhard Menkel

Unser Menki arbeitet hauptberuflich seit 1987 als Sportredakteur bei der WLZ, ist einer unserer Dienstältesten Vorstandsmitglieder (schon seit "Mao") und unterstützt den Sportkreis als Pressewart.

Neueste Artikel von Gerhard Menkel (alle ansehen)

Kommentar hinterlassen