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Gut 800 000 Euro weniger

Förderbescheidübergabe 16.12.2014
von links: Ingo Göbel (TV Höringhausen), Dirk Paulus (TSV Laisa), Cordula Glöde (TC Gemünden), Uwe Steuber (Sportkreischef), Markus Strasser (FC Affoldern) und Bernd Backhaus (SV Buchenberg)

Sportkreis lehnt Entwurf für neue Sportförder-Richtlinien ab und hat eigene Ideen.

Die Anlage zur Sitzung des erweiterten Sportkreis-Vorstands am Dienstag im Sportlerheim Ederbringhausen trägt die harmlose Überschrift „Anpassung der Sportförder-Richtlinien“. Der Inhalt des achtseitigen Papiers aus dem Hause des Landessportbunds (LSB) Hessen aber hat es in sich.

Karl-Friedrich Emde, der Vorsitzende des Tenniskreises Waldeck-Frankenberg, erkannte darin einen „massiven Angriff auf den ländlichen Raum“. Uwe Steuber formulierte Einwände nicht weniger deutlich. Der Sportkreisvorstand lehnt den Entwurf folglich ab. Eine entsprechende Stellungnahme soll bis zum 15. Januar 2015 an den zuständigen Vizepräsidenten Rolf Hocke gehen; die neuen Richtlinien könnten beim Sportbundtag im September verabschiedet werden und 2016 in Kraft treten.

Worum geht es?
Wenn Vereine bauen, sanieren und renovieren oder langlebige Sportgeräte kaufen wollen, können sie Zuschüsse vom LSB beantragen. Die Höhe der Summe ist gekoppelt an die Mitgliederzahl und bezieht sich immer auf einen Zeitraum von acht Jahren. Nach den seit 2001 gültigen Richtlinien haben Clubs mit bis zu zehn Mitgliedern denselben Anspruch an den LSB wie solche mit bis zu 500 Mitgliedern: eine Achtjahresförderung in Höhe von 7670 Euro. Mehr Geld können die größeren Vereine einstreichen, das Maximum liegt bei 14061 Euro bei einer Stärke von 5000 Mitgliedern.

Monovereine als Verlierer
Vor allem die Gleichbehandlung aller Vereine mit bis zu 500 Mitgliedern ist dem LSB ein Dorn im Auge. Um die Diskrepanz zu veranschaulichen, sind in dem Papier die Beitragssätze ins Verhältnis zum Fördervolumen gesetzt. Die bis zu zehn Personen zählenden Miniclubs – von denen es in Waldeck- Frankenberg laut einer Sportkreisliste immerhin sieben gibt – überweisen danach 87,71 Euro jährlich nach Frankfurt und können das gleiche Geld verlangen wie der Verein mit 500 Mitgliedern, der freilich knapp 1900 Euro im Jahr an den LSB zahlt.
In dem Entwurf ist denn auch von „Auswüchsen bei Antragstellungen von Mini-Vereinen“ die Rede. Ihnen habe das LSB Präsidium zwar Einhalt geboten, doch solle eine notwendige Regelung in den Richtlinien festgeschrieben werden. Allen Vereinen stellt der Entwurf kürzere Wartezeiten sowie eine „bedarfs- und zeitgerechte Verteilung“ der Mittel mit den Änderungen in Aussicht. Der Vorschlag sieht vor, dass besagte Kleinstvereine aus dem Fördertopf überhaupt kein Geld mehr erhalten. Vereinen mit bis zu 100 Mitgliedern wird der Anspruch auf 3000 Euro in acht Jahren gedeckelt. Die Summen steigen bis auf 18000 Euro für Vereine mit mehr als 5000 Mitgliedern, von denen es im Sportkreis keinen und in Hessen ganze sechs gibt (siehe Hintergrund).

Carsten Habermann, beim Landkreis Fachmann für die Vereinsförderung und Mitglied im Sportkreis-Vorstand, hat auf der Grundlage der Vorschläge gerechnet – und das Resultat ließ Uwe Steuber blass werden.

Nach den gültigen Richtlinien haben die 326 heimischen Sportvereine, die Mitglied im LSB sind, Anspruch auf eine Förderung von insgesamt rund 2,598 Millionen Euro in acht Jahren (die aber normalerweise nie abgerufen werden). Nach dem Entwurf für die neuen Richtlinien würde die Summe auf 1,784 Millionen sinken – ein Minus von gut 814000 Euro.
„Das kann nicht sein“, sagte Steuber. Verlierer wären die 235 heimischen Vereine mit bis zu 250 Mitgliedern. Ihnen entgingen theoretisch Summen zwischen 2170 und 7670 Euro in acht Jahren. Darunter sind vor allem Monovereine, besonders betroffen: Schützen, Reiter, Tennisspieler. Gewinner der Reform wären die 91 heimischen Clubs mit 251 und mehr Mitgliedern, sie könnten zwischen 330 und 2717 Euro mehr als bisher im besagten Zeitraum abrufen.

Uwe Steuber hatte die Konsequenzen der Neuregelung in einer Runde mit Vereinsvertretern direkt vor der Sitzung erörtert und fasste den Tenor ihrer Reaktionen so zusammen: „Wenn die Förderung auch noch reduziert wird, wozu brauchen wir dann den Landessportbund noch.“

Nun ist der Sportkreisvorstand nicht grundsätzlich gegen eine Reform. Steubers Stellvertreter Bernhard Seitz berichtete, dass im Beirat der Sportkreise etwa über die geltende Gleichbehandlung aller Vereine mit bis zu 500 Mitgliedern gesprochen wurde. „Ist das gerecht? Darüber kann man diskutieren“, sagte er, zumal größere Vereine in der Regel auch mehr investierten.

Auf offene Ohren im Sportkreis stößt der LSB mit seiner Absicht, die Förderung stärker davon abhängig zu machen, ob die Vereinsinvestitionen tatsächlich notwendig und zudem nachhaltig sind. „Der Landesrechnungshof hat dem Landessportbund Hessen stichprobenartige Prüfungen vor Ort vorgegeben“, heißt es in dem Entwurf.

„Geld bei uns ansiedeln“
Das Prinzip Gießkanne stellt etwa der Fachdienstleiter Sport beim Landkreis, Matthias Schäfer, wegen der demogra8schen Entwicklung schon länger infrage. Auch Uwe Steuber hat Vorbehalte gegen diese Art der Unterstützung – und bringt eigene Vorschläge ein, wie der Sportbund die Förderung auf ganze neue Beine stellen könnte. Kern seiner Idee: Die Sportkreise verteilen die Gelder nach Absprache mit Städten und Gemeinden anhand einer Prioritätenliste. „Das Geld sollte man bei uns ansiedeln“, sagte der Sportkreis-Chef.

Vorbild ist der benachbarte Kreissportbund Hochsauerlandkreis. Die HSKDachorganisation erhält nach seinen Informationen jährlich 400.000 Euro, aus denen sie zweieinhalb hauptamtliche Stellen finanziert und die Vereinsförderung unabhängig bestreitet. Dabei würden gemeinsam mit den Kommunen Schwerpunkte gesetzt. „Das wäre eine sinnvolle Änderung“, sagte Steuber. Er ist ohnehin Befürworter einer Professionalisierung der Sportkreise, weil die Vereine die vielfältigen Anforderungen oft gar nicht mehr erfüllen könnten.

Mit den aktuell gut 23000 Euro, die der Sportkreis aus Frankfurt überwiesen bekommt (ohne Sondermittel für das Programm Schule und Vereine), sind keine großen Sprünge zu machen. Doch ob sich Steuber mit seinen Vorschlägen einer Dezentralisierung in Hessen durchsetzen kann? Würden sie umgesetzt, „dann müsste der Landessportbund seine Daseinsberechtigung infrage stellen“, meinte der Ehrenvorsitzende Dieter Feurich.

Tennis-Chef Emde schlug beim Ringen um die Reform den Schulterschluss mit den anderen ländlichen Sportkreisen vor. Seine Ablehnung der aktuellen Vorschläge war eindeutig: „Die ländlichen Vereine werden massiv beschnitten. Dabei ist es für sie die einzige Möglichkeit, an nennenswerte Mittel heranzukommen.“
Passend zum Thema hatte Steuber vor der Sitzung Förderbescheide verteilt.

Aktuell bewilligte der Landessportbund Anträge von sieben Vereinen aus dem zweiten Quartal 2013.

Die geförderten Vereine:
FC Affoldern (Ballfanganlage): 450 Euro; TV Höringhausen (Tore): 1064 Euro; TSV Wetterburg (TT-Platten): 1700 Euro; WSV Twistesee (Sportgeräte): 900 Euro; SV Buchenberg (Umbau Vereinsheim): 2650 Euro; TC Gemünden (Sanierung Tennisplätze): 7670 Euro; TSV Laisa (Sanierung Heizung): 5370 Euro.

Die meisten machen weiter
Beim Sportkreistag am 24. April 2015 in der Fürstenberger Igelstadthalle werden die meisten Vorstandsmitglieder erneut kandidieren. Das berichtete der Sportkreis-Vorsitzende Uwe Steuber bei der erweiterten Vorstandssitzung in Ederbringhausen. In Fürstenberg geht die erste Wahlperiode nach dem Zusammenschluss der selbstständigen Sportkreise Waldeck und Frankenberg im November 2012 zu Ende.
Ihren Abschied angekündigt haben bisher zwei langjährige und verdiente Vorstände: Schriftführerin Christel Schilke aus Frankenberg und Pressewart Süd Peter Bienhaus (Battenberg), der allein 40 Jahre lang im Vorstand mitgearbeitet hat, stellen sich nicht mehr zur Wahl. Die Sportkreisjugend tagt am 14. März in Harbshausen.

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Gerhard Menkel

Unser Menki arbeitet hauptberuflich seit 1987 als Sportredakteur bei der WLZ, ist einer unserer Dienstältesten Vorstandsmitglieder (schon seit "Mao") und unterstützt den Sportkreis als Pressewart.

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