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Glücksspielsucht trifft immer mehr Jüngere – auch Vereine können helfen

Sie ist in Deutschland keine Randerscheinung mehr: Glücksspielsucht ist in den vergangenen Jahren immer mehr zum Problem in der Gesellschaft geworden, die Betroffenen werden zudem immer jünger. Das wurde bei einem Vortrag von Ulrike Ritter vom Diakonischen Werk Waldeck-Frankenberg im Sportlerheim des SV Buchenberg deutlich. Dort wurde präventiv über Spielsucht informiert. „Im schlimmsten Fall kann Spielsucht tödlich enden, weil Menschen, die sich durch sie verschulden, manchmal nur den letzten Ausweg in einem Suizid sehen“, sagte Ritter.

Genau Zahlen für Waldeck- Frankenberg gibt es bisher zwar noch nicht. In einer Studie der Universitäten Greifswald und Lübeck wurde 2011 aber festgestellt, dass deutschlandweit 500 000 Menschen spielsüchtig sind. Mehr als vier Millionen hätten zudem schon einmal ernsthafte Probleme mit Glücksspiel gehabt. „Ein Anstieg der Spielsuchtproblematik in den letzten zehn Jahren ist soweit erkennbar, dass die Kasseninhalte der Automaten deutlich gestiegen sind. Dies wurde vom Arbeitskreis gegen Spielsucht in Unna erforscht“, berichtet Andreas Fux, Fachberater für Glücksspielsucht beim Diakonischen Werk in Kassel auf Anfrage unserer Zeitung.

„Die Veränderung der Spielverordnung im Jahr 2006 ergab auch Änderungen an den Automaten. Diese schlugen sich in schnellerem Spiel, in höheren Einsätzen und in höheren Gewinnen nieder. Dadurch wurde das Suchtpotenzial der Geldspielgeräte deutlich erhöht“, so Fux. „Zudem kamen neue Spielformen im Internet auf, hier sind vor allem die Sportwetten und Online-Glücksspiele zu nennen.“ Dass Spielsucht mittlerweile öfter jüngere Menschen erreiche, erkenne man daran, dass immer mehr junge Menschen Beratungsstellen aufsuchen. Generell reiche die Bandbreite von 15 bis 82 Jahre.


Glücksspielsucht ist eine Krankheit, von der immer mehr junge Menschen betroffen sind. Diese Tatsache ist einer der Gründe dafür, warum im Sportlerheim des SV Buchenberg kürzlich eine Präventionsveranstaltung zu diesem Thema stattfand, an der rund 20 Interessierte teilnahmen. Ulrike Ritter vom Diakoni- schen Werk Waldeck-Frankenberg wies darauf hin, dass gerade in Sportvereinen viele Jugendliche anzutreffen seien. „Natürlich heißt das nicht, dass es dort auch zwangsläufig Glücksspielsüchtige gibt“, sagte Ritter. Es mache aber Sinn, vor allem dort, wo viele Menschen in ihrer Freizeit zusammenkommen, über das Thema aufzuklären und zu sensibilisieren.

Worum es konkret bei der Präventionsveranstaltung ging – hier einige Fragen und Antworten.


Wann gilt man in der Regel als spielsüchtig?

„Eine Suchtmittelabhängigkeit – egal ob es sich um Glücksspiel oder Alkohol handelt – ist eine sch were Erkrankung. Betroffene haben sehr große Sch wierigkeiten, da wieder herauszukommen. Die meisten schaffen es nicht alleine“, sagte Ritter . Wenn das Glücksspiel die Gedanken bestimmt und jemand ohne das Glücksspiel gar keine Freude mehr empfindet, kann laut der Expertin eine Sucht vorliegen. Es dauere aber meist lange, bis sich solch eine Sucht entwickele. „Allerdings können wir es als Außenstehende nie genau wissen, ob jemand spielsüchtig ist oder nur ein problematisches Verhalten aufweist. Erst eine Diagnose gibt Aufschluss darüber“, sagte Ritter .

Wie kann man erkennen, ob jemand ein Problem mit Glücksspielen hat?
„Wenn jemand ein auf fälliges Verhalten zeigt – beispielsweise wegen seiner Spielsucht nicht mehr zum Training oder zu Veranstaltungen kommt – ist es gerade auf dem Land nicht ungewöhnlich, dass sich so etwas herumspricht“, sagte Ritter . Generell brauche man auch viel Geld, um seine Glücksspielsucht zu befriedigen. „Daher kann es natürlich auch passieren, dass irgendwo Geld versch windet“, so Ritter .

Wie kann man Betroffenen helfen?
Wie können vor allem Mitglieder von Vereinen einschreiten, wenn sie in ihren Reihen Glücksspielsüchtige entdecken? ! „Die betroffene Person wird aller Voraussicht nach erst zur Suchtberatung gehen, wenn sie selbst erkannt hat, dass sie ein Problem hat und dieses selber lösen will. Sie als Außenstehende haben aber trotzdem die Möglichkeit, etwas zu tun“, rief Ritter den Anwesenden zu. Es sei dabei wichtig, aus dem Problem „kein großes Ding“ im Verein zu machen. „Entscheidend ist, dass Sie dem Betrof fenen gegenüber Ihre Sorgen äußern und nicht vorwurfsvoll, sondern als V ertrauensperson auftreten“, sagte die Mitarbeiterin des Diakonischen Werkes. „Gleichzeitig dürfen Sie nicht von sich erwarten, dass Sie den Betroffenen von der Spielsucht wegbekommen. Das ist dann Aufgabe der Suchtberatung und der entsprechenden Experten.“ ?

Was können Vereine noch tun, um Betroffenen zu helfen?
„Vereine sollten den Jugendschutz strikt einhalten und somit auch darauf achten, dass Minderjährige beispielsweise nicht an die Spielautomaten gehen“, sagte Ritter. In Sportvereinen sei es zudem beliebt, Sportwetten einzugehen. „Thematisieren Sie das doch mal und versuchen Sie, gerade für die Jugendlichen etwas Alternatives anzubieten. Stellen Sie auch verschiedene Regeln auf. Legen Sie beispielsweise fest, dass im Vereinsheim oder woanders beim Pokern nicht um Geld gespielt wird“, sagte Ritter .

Erlaubt und verboten: Es gibt verschiedene Arten von Glückspiel
Glücksspiele sind Spiele, deren Verlauf maßgeblich vom Zufall bestimmt ist. In jüngster Zeit hat es auf dem Glücksspielmarkt Veränderungen gegeben. Die Spielebetreiber haben sich gegen die staatliche Regulierung gewehrt und geklagt.

Mit Erfolg: Der Glücksspielstaatsvertrag wurde gekündigt, die Monopole werden neu vergeben. „In Hessen ist das aber noch nicht passiert, dort befinden wir uns aktuell in einer Übergangsphase“, berichtete Ulrike Ritter vom Diakonischen Werk. Sportwetten um Geld würden geduldet, weil man davon ausgehe, dass die Anbieter eine Konzession erhalten. Verboten seien in Deutschland derzeit aber immer noch Online-Glücksspiele wie Poker, bei denen um Geld gespielt werde. „Natürlich ist es im Internet möglich, sich auf Seiten ausländischer Anbieter anzumelden und dort Poker um Geld zu spielen. Doch das ist illegal. Es kann passieren, dass man erwischt wird“, so Ritter. Erlaubt seien dagegen staatlich konzessionierte Glücksspiele wie beispielsweise Lotto sowie die Glücksspie- le außerhalb des staatlichen Monopols. Dazu gehören die Unterhaltungsautomaten mit Gewinnmöglichkeiten, die sich vor allem in Gaststätten befinden. (dau)

Wir organisieren gerne weitere Infoveranstaltungen zu diesem oder ähnlichen Themen. Gerne in Ihrem Verein oder hier bei uns in der Servicestelle. Bei Interesse melden Sie sich bitte!

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Kerstin Mühlhausen

leitet die Geschäftsstelle des Sportkreises Waldeck-Frankenberg e.V. in Korbach und arbeitet hauptamtlich beim Fachdienst Sport des Landkreises. Sie können sie täglich zwischen 8:30 und 15:30 Uhr telefonisch unter der Tel. 05631/954-459 erreichen.

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